Stadt Lübbecke

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Die Ortschaften und Dörfer

Durch die kommunale Gebietsreform zum 01.01.1973 wurde das Stadtgebiet Lübbecke durch die ehemals selbständigen Gemeinden Blasheim (mit den Ortschaften Stockhausen und Obermehnen), Gehlenbeck, Eilhausen, Nettelstedt und die Bauerschaft Alswede vergrößert. Aufgrund der alten historischen Beziehungen war die innere Struktur der neuen städtischen Gemeinde nur geringen Belastungen ausgesetzt. Neben dem Stadtkerngebiet, das - aufgrund weit in die Vergangenheit zurückreichender Wurzeln - zentrale Funktionen für Wirtschaft, Handel und Verwaltung übernimmt, verfügt fast jeder Ortsteil über eine gute Infrastruktur: Kindergärten, Grundschulen, Geschäfte des täglichen Bedarfs, Sport- und Freizeitanlagen.

Auch wenn das Stadtgebiet zusammenwächst, so dass die Ortsteilgrenzen an einigen Stellen nur noch schwer auszumachen sind, haben sich die Ortschaften ihren eigenen Charakter bewahrt. Die dörflichen Gemeinschaften werden insbesondere durch ein reges Vereinsleben getragen. In einigen Ortsteilen haben sich Vereine und Dorfgemeinschaften verstärkt in konkreten Projekten zum Wohle des Dorfbildes engagiert – wie etwa bei der Pflege von Grünanlagen und Ruhebänken. Im Jahre 2002 wurden erstmals Ortsheimatpfleger bestellt, die die Heimatpflege weiterentwickeln und die Zusammenarbeit untereinander und mit der Stadt Lübbecke stärken sollen.

Ansprechpartner für alle Belange der örtlichen Gemeinschaft sind die jeweiligen Ortsvorsteher. Sie sind in der Regel Mitglied im Rat der Stadt Lübbecke und vertreten dort auch die Interessen ihres Ortsteiles.

 

Ortschaft Alswede

 

Ortsvorsteher: Michael Tiemeier, Am Pastorenteich 4, 32312 Lübbecke
Ortsheimatpfleger: Heinrich Meier, Gabeleck 6, 32312 Lübbecke

Die Grafen von Tecklenburg verfügten in Alswede über bedeutendes Grundeigentum. Die St.-Andreas-Kirche in Alswede ist eine tecklenburgische Stiftung. Die Kirche wird urkundlich erstmals 1240 erwähnt. Die Grafen von Tecklenburg übten den Kirchenpatronat bis 1707 aus. Damals fiel die Grafschaft an Brandenburg-Preußen.

Wappen, Grabsteine und Schlusssteine in den Gewölben weisen auf die engen Beziehungen zu den umliegenden Gütern Hüffe, Benkhausen und Ellerburg hin. Die Alsweder Höfe gehörten überwiegend zu den Gutsverbänden Ellerburg und Benkhausen.

Die spätere Gemeinde Alswede bestand aus den Bauerschaften Alswede, Fiestel und Gestringen. Die Kommunalreform, die zum Jahresbeginn 1973 in Kraft trat, trennte die Bauerschaften. Alswede wurde dem Stadtgebiet Lübbecke zugeschlagen, Fiestel und Gestringen dem Stadtgebiet Espelkamp. Zu dieser Zeit war der Agrarsektor noch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, der allmählich zugunsten der industriellen Fertigung zurückging.

 

Ortschaft Blasheim

 

Ortsvorsteher: Manfred Muth, Schulstr. 18, 32312 Lübbecke
Ortsheimatpfleger: Walter Hoffmann, Hauptstr. 110, 32312 Lübbecke

In einer Beurkundung des Mindener Bischofs Milo (969 - 996) werden mehrere Höfe in Blasheim, ein Haupthof und 7 weitere Höfe, genannt.

In Blasheim lässt sich grundherrschaftliches Eigentum der Grafen von Tecklenburg nachweisen. Sie gelten als Stifter der Blasheimer Marienkirche. Im Jahre 1491 verlieh der Mindener Bischof Heinrich von Schaumburg dem Kirchensprengel Blasheim mit den Bauerschaften Stockhausen, Eikel, Knöttinghausen und Obermehnen das volle Pfarrrecht. Der Bau der Marienkirche war 1514 vollendet. Die Erweiterung des Südschiffes war 1910 abgeschlossen. Sehenswert ist der spätgotische Apostelaltar.

Aus dem Kirchweihfest zu Ehren Mariens ging der weithin bekannte Blasheimer Markt hervor, der in der Wettlage zwischen Lübbecke und Blasheim seinen Standort gefunden hat und in den frühen Septembertagen immer wieder seine Anziehungskraft unter Beweis stellt. Die zeitliche Übereinstimmung ist dadurch gegeben, dass der 8. September, Mariä Geburt, zu den Festtagen Mariens gehört.

Nördlich des Dorfkernes von Blasheim liegt der Ortsteil Eikel. Aus einem Haupthof ging das Gut Eikel hervor, das als Gebäude heute nur noch in Resten existiert. Außerdem gab es noch das Gut Klein-Eikel, das bereits im 19. Jahrhundert aufgegeben und abgetragen wurde.

 

Ortschaft Eilhausen

 

Ortsvorsteher: Günter Bösch, Kämpe 1, 32312 Lübbecke
Ortsheimatpfleger: N.N.

Die zwischen Nettelstedt und Gehlenbeck liegende Bauerschaft Eilhausen wird erstmals 1300 urkundlich erwähnt. Eine um 1800 angefertigte Karte der Bauerschaft verzeichnet neben bekannten Höfen wie Gerdom, Schütte, Rathmann, Oberste und Niederste Selle zwei Mühlen, eine Wasser- und eine Windmühle.

Die restaurierte Eilhauser Windmühle gehört zum Typ der "Holländer Windmühle", die, von Holland übernommen, im 18. Jahrhundert Verbreitung in Norddeutschland fand. Bei dieser Mühlenart dreht sich die Haube und nicht wie bei der Bockwindmühle die ganze Mühle.

Der Mühlenstumpf der Eilhauser Windmühle wurde 1748 aus Portasandstein erbaut. Er wurde später um ein Backsteinmauerwerk erhöht. Die Kriegs- und Domänenkammer Minden verpachtete 1770 die Windmühlen in Frotheim, Stockhausen und Eilhausen. Der Vorgang zeigt, dass es sich um landesherrliche Mühlen handelte. Deshalb wurden sie auch "Königsmühlen" genannt.



Ortschaft Gehlenbeck

 

Ortsvorsteherin: Ulrike Bökenkröger, Niederbrake 25, 32312 Lübbecke
Ortsheimatpfleger: Werner Fabis, Schusterbrink 7, 32312 Lübbecke

Die Geschichte der Gehlenbecker Kirche lässt sich aufgrund archäologischer Erkenntnisse bis in das 10. Jahrhundert zurückverfolgen. Auf einem neben der Sakristeitür eingelassenen Gedenkstein aus dem Jahre 1495 zum Abschluss des heutigen Baues im gotischen Stil wird als Schutzheiliger der Heilige Nikolaus genannt. Sehenswerte bildliche Darstellungen sind die aus der vorreformatorischen Zeit stammenden spätgotischen Wandmalereien, unter ihnen eine Sieben-Schwerter-Madonna, das auf 1512 datierte Kreuzigungsfenster im südöstlichen Chorraumfenster und der barocke Taufstein von 1668.

In den 1860er Jahren setzte ein struktureller Wandel ein. Die aufblühende Zigarrenindustrie mit ihrem wirtschaftlichen Mittelpunkt in Lübbecke und Bünde brauchte dringend Arbeitskräfte, und die waren im ländlichen Raum zu finden. Die Heuerlingswirtschaft kam allmählich zum Erliegen. Heuerlinge und landwirtschaftliche Hilfskräfte wanderten in die Zigarrenindustrie ab. In Gehlenbeck entstanden mehrere Filialen der Zigarrenindustrie. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine zunehmende Verstädterung ein, erkennbar an einer kleinteiligen Besiedlung auf Ackerflächen aufgegebener Bauernhöfe. Der über Jahrhunderte prägende Dorfcharakter ging verloren. Nur einige wenige Bauernhäuser und Höfe haben diesem Trend bis heute widerstanden.

Grappenstein, Obernfelde und Renkhausenwaren wie auch Stockhausen ursprünglich Rittergüter im nahen Umfeld der Stadt Lübbecke. Grappenstein ist heute ein bäuerliches Anwesen. An das ritterliche Anwesen erinnern ein Eckturm mit Schießscharten und Wappenstein sowie Mauerreste. Die von Grappendorf, die ihren Stammsitz auf einem Burgmannshof in Lübbecke hatten (heute Bürgerbegegnungsstätte "Altes Amtsgericht"), und für lange Zeit Besitzer von Grappenstein waren, führten beide Güter, Grappenstein und den Lübbecker Burgmannshof, im 17. Jahrhundert wirtschaftlich zusammen. Auf Grappenstein wurde ein Verwalter eingesetzt. Die Grappendorfsche Besitzung ging 1787 in Konkurs und wurde von den Korffs auf Obernfelde erworben. Im frühen 19. Jahrhundert gelangte sie in bürgerliche Hände. Grappenstein blieb bäuerlicher Besitz, während der Lübbecker Burgmannshof ohne die zugehörigen Ländereien 1828 vom preußischen Fiskus erworben wurde, um hier ein Land- und Stadtgericht einzurichten.

Der ehemalige Rittersitz Renkhausen westlich des Großen Torfmoores ist eng mit der Lübbecker Stadtgeschichte verbunden. Die Lehnsinhaber des Gutes, wie die Ministerialenfamilie von Haddewig, gehörten als Burgmannen der Lübbecker Ritterschaft an. In den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts geriet das Gut in Konkurs und wurde von dem Mindener Domkapitular und Landrat Viktor von Korff erworben. Im Jahre 1817 ist der Lübbecker Kaufmann Karl Stille Eigentümer. Seine Witwe, Agathe Stille geb. Heidsiek, war für ihre karitative Tätigkeit bekannt. Sie ist die Stifterin der Isenstedter Kirche, die 1880 eingeweiht wurde. Zur denkmalgeschützten Gutsanlage Renkhausen gehören das Herrenhaus, die Rentei, Dreschhaus, Schafstall und Brücke. Der derzeitige Eigentümer Georg-Henrik Warneke hat das Gut in den letzten Jahren aufwändig saniert.


Ortschaft Lübbecke

 

Stadtheimatpfleger: Jörg Seyffarth, Wittekindstr. 22, 32312 Lübbecke

Das Gut Obernfelde ist aus einem Meierhof hervorgegangen, den die jeweiligen Besitzer von der Fürstabtei Herford zu Lehen trugen. Zu den ältesten Besitzern gehörte das Lübbecker Rittergeschlecht von Haddewig. Im 18. Jahrhundert sind die Korffs aus dem Haus Waghorst Besitzer. 1812 ging das Gut an den Steuereinnehmer Franz Heinrich Kröger über. Er verkaufte es 1818 an den Freiherrn Karl von der Recke auf Stockhausen. Die Familie von der Recke ist heute noch Eigentümer von Obernfelde. Das eingeschossige Herrenhaus mit Mansarddach stammt dem Baustil nach aus dem späten 18. Jahrhundert. Dazu gehören Wirtschaftsgebäude und die frühere Gutsmühle. Besonders anziehend ist das in einem kleinen Park liegende "Ministerhaus", das auf einen Schinkelentwurf zurückgehen soll.

Das beschriebene Gebiet gehörte verwaltungsmäßig einmal zum Amt Reineberg, in dessen Mittelpunkt die gleichnamige landesherrliche Burg der Mindener Bischöfe stand. Die Burg wurde wegen Baufälligkeit 1723 abgebrochen. Ihre Reste, Wälle, Gräben und Mauerwerk, sind noch heute beeindruckend.

Dem Reineberg gegenüber liegt der Wurzelbrink. Hier ließ Karl Freiherr von dem Bussche-Münch 1857 einen Aussichtsturm errichten. Der Wanderweg zwischen beiden Bergen ist durch eine Fußgängerbrücke verbunden, die im Bereich Horst's Höhe über die Bundesstraße 239 führt. Die Ortsbezeichnung Horst's Höhe geht auf den Landrat Adolf von der Horst zurück, der hier 1854 eine Anhöhe abtragen ließ. Zahlreiche Unfälle, in die vor allem Pferdefuhrwerke verwickelt waren, hatten diesen Schritt nötig gemacht.


Ortschaft Nettelstedt

 

Ortsvorsteher: Hartmut Ende, Gehrenkampstr. 9, 32312 Lübbecke
Ortsheimatpfleger: N.N.

Die Bauerschaft Nettelstedt liegt im jahrhundertealten Kulturgebiet am Nordhang des Wiehengebirges und wird 1033 erstmals urkundlich erwähnt. Kaiser Konrad II. bestätigte damals die Gründung des Klosters St. Martin in Minden und übertrug dem Kloster neben anderen Gütern einen Hof in Nettelstedt.

In jüngerer Zeit lenkten die Nettelstedter die Aufmerksamkeit auf sich, als sie nach dem Ersten Weltkrieg eine Spielgemeinde gründeten, die 1923 mit Erfolg Schillers 'Wilhelm Teil" vor der Naturkulisse des Hünenbrinks aufführte. Die Spielgemeinde ist bis in die jüngste Zeit aktiv geblieben.

Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert machte sich ein Rückgang in der Landwirtschaft bemerkbar. Grund dafür war das Anwachsen der Zigarrenindustrie mit ihren Filialen in Dörfern und Bauerschaften. Im nachfolgenden Jahrhundert trat eine bemerkenswerte Entwicklung ein, die anfangs nur wenig Aufmerksamkeit fand. Erwin Hucke gründete eine kleine Näherei, die sich zu einem beachtlichen Industrieunternehmen entwickelte. Die Näherei war die Keimzelle der heutigen Hucke AG, die mit dem Slogan "The world of fashion" für ihre Produkte wirbt.

Auch auf sportlichem Gebiet sind die Nettelstedter nicht untätig geblieben. Die Handballmannschaft des TuS Nettelstedt (jetzt TuS N-Lübbecke) verschaffte dem Ort bundesweite Resonanz.

 

Ortschaft Obermehnen

 

Ortsvorsteher: Karl-Friedrich Rahe, Bergstraße 81, 32312 Lübbecke
Ortsheimatpfleger: Klaus Bernotat, Herzog-Wittekind-Weg 9a, 32312 Lübbecke

Die älteste Befestigungsanlage im Stadtgebiet von Lübbecke befindet sich im Wiehengebirge auf einer dem Kamm vorgelagerten Kuppe oberhalb der Bauerschaft Obermehnen. Es handelt sich um die Ringwallanlage "Babilönie" aus vorrömischer Eisenzeit, die bis in das frühe Mittelalter benutzt wurde.

Es ist davon auszugehen, dass sie während der fränkischen Eroberungszüge in Sachsen unter Karl dem Großen noch von strategischer Bedeutung war. Das Plateau ist durch einen teilweise als Terrasse und Wall ausgebildten Bering befestigt, einen durch Palisaden verstärkten Wallring. Nach Norden schieben sich 6 m hohe Wälle vor, denen ein Spitzgraben vorgelagert ist. Die drei Wallzüge der Burgfläche dürften wohl aus sächsischer Zeit stammen, die zum Gipfel führende Mörtelmauer ist karolingischen Ursprungs.


Ortschaft Stockhausen

 

Ortsvorsteher: Torsten Stank, Blasheimer Straße 22, 32312 Lübbecke
Ortsheimatpfleger: Gerd Heinrich Niemeyer, Unterm Dorf 10, 32312 Lübbecke

Johann von Uflen und seine Frau Gese sind die ersten namentlich genannten Hofbesitzer in der Bauerschaft Stockhausen, Kirchspiel Blasheim. Am 9. August 1355 verpfändeten sie ihren Hof zu "Stockusen". Um 1650 treten unter den bäuerlichen Besitzern noch heute bekannte Namen wie Duwenriek, Östermann und Niemeyer als Hofbesitzer auf.

Die denkmalgeschützte Burg Stockhausen bildet den Kern der Bauerschaft. Die Anfänge der Burg und des Gutes liegen im Ungewissen. Im 15. Jahrhundert ist die Familie von Westrup, ein ritterliches Adelsgeschlecht, auf Burg Stockhausen ansässig. Am 3. September 1620 wurde ein Ehevertrag zwischen Anna Margaretha von Westrup, der Alleinerbin von Stockhausen, und Dietrich von der Recke aus dem Hause Steinfurt abgeschlossen. Festgelegt wurde, dass Dietrich 13.000 Reichstaler aus dem väterlichen Erbe in die Ehe einbringen sollte und Anna das Gut Stockhausen sowie die Höfe in Lübbecke. Damit gingen Burg und Gut Stockhausen in den Besitz der Familie von der Recke über. Im Jahre 1979 erwarb Prof. Dr. Hans-Werner Schürmann die Burg einschließlich Gräfte und sorgte dafür, dass die heruntergekommenen Gebäude restauriert wurden. Heute stellt sich Stockhausen als sehenswerte Burganlage dar, auf der sogar ein Taubenturm zu besichtigen ist.

Im Jahre 1995 gewann die Dorfgemeinschaft Stockhausen in dem Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" eine Goldmedaille. Damit wurden die langjährigen tatkräftigen Arbeiten der Gemeinschaft gewürdigt.

Kontakt

Herr Rolf Kleffmann »
Dezernat 1 Bürgerdienste
Telefon: 05741 276-127
Fax: 05741 347131
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