Stadt Lübbecke

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20.06.2005

„Das ist es. So möchte ich leben.“ - Frauen aus dem Mühlenkreis besuchten Bremer Beginenhof

Zu einem Besuch des Beginenhofes in Bremen hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lübbecke, Angelika Lüters, eingeladen. Mehr als 20 Frauen interessierten sich für dieses Thema und begaben sich Anfang Juni auf eine Erkundungsfahrt nach Bremen.

Initiatorin dieser Fahrt war Marianne Wiese aus Porta Westfalica. Die Lehrerin im Ruhestand hat bereits vor einem Jahr angeregt, auch hier im Kreis Minden-Lübbecke einen Beginenhof zu gründen.

 

Die Beginen-Bewegung entstand im Mittelalter. Ihre Höfe waren autonome Wohn- und Wirtschaftsgemeinschaften von allein stehenden Frauen und Witwen, die weder in eine Ehe noch in ein Kloster eintreten wollten. Über Jahrhunderte hinweg gewannen sie großen Einfluss auf das Glaubens- und Wirtschaftsleben der Städte. Anders als die Nonnen legten sie kein Gelübde ab, sondern waren frei, jederzeit die Gemeinschaft zu verlassen. Auch in Minden gab es von 1295 bis 1828 ein solches Beginenhaus. Heute wohnen und wirtschaften Beginen aus unterschiedlichen Generationen und Lebenssituationen unter einem Dach, um ihre Alltagsqualität zu steigern. Nach dem Prinzip der Wahlverwandtschaft setzen sie auf gegenseitige Unterstützung und Synergie.

 

Das Bremer Beginenhof Modell (BBM e.V.), das die Frauen aus dem Mühlenkreis besuchten, war ein Expo-2000-Projekt und wurde als einziges deutsches Projekt von den Vereinten Nationen ausgezeichnet. Das Frauenwohnprojekt in der Bremer Neustadt hat neben 85 Wohnungen unterschiedlicher Größe auch Platz für Gewerbe wie Restaurant, Bioladen, Kindergarten, Gesundheitszentrum und Hebammenpraxis. Architektonisch fallen die Laubengänge auf, über die jede Wohnung zu erreichen ist. Außerdem wurde Wert auf barrierefreies Wohnen gelegt. Im Keller befinden sich neben Garagen auch Hobbyräume, „wo frau töpfern, nähen oder Sport treiben kann“, wie Marianne Wiese berichtete. Im sogenannten „Turm“, sollen Räume für Seminare, Musik- und andere Kulturveranstaltungen entstehen.

Dr. Erika Riemer-Noltenius, Vorsitzende des Vereins, führte die Besucherinnen durch den Bremer Beginenhof und berichtete auch von den aktuellen Problemen. Weil zugesagte Fördergelder nicht geflossen sind, ist die Wohnungsbaugenossenschaft der Beginen insolvent. Jetzt sollen alle Wohnungen an die Frauen verkauft werden. Bisher war man von einem Drittelkonzept (Eigentum, Miete oder Miete mit Wohnberechtigungsschein) ausgegangen. Nach diesem Konzept waren alle Wohnungen vergeben, sobald sie fertig waren.

Zurück im Mühlenkreis möchte Marianne Wiese ihr Beginen-Projekt forcieren. „Ich habe jetzt eine Gruppe von sechs Frauen zusammen, vielleicht werden es durch die Fahrt nach Bremen noch ein paar mehr“, fasst sie zusammen. „Wir wollen jetzt in einem Konzept festhalten, wie sich jede ihre Wohnung, ihr Umfeld, das ganze Projekt vorstellt. Ich möchte gern hier in Minden, Lübbecke oder Umgebung ein Beginenhaus gründen und so etwas gegen Isolation und Vereinsamung gerade auch älterer Frauen tun.“ Sie selbst stieß erst vor wenigen Jahren durch einen Zeitungsartikel auf die Beginen und sagte sich: „Das ist es. So möchte ich leben.“

Wer ähnlich denkt, kann sich an Marianne Wiese (Telefon und Fax 0571/710111, eMail beginen-minden@web.de) oder Angelika Lüters wenden oder sich beim bundesweiten Beginentreffen vom 26. bis 28. August in Bielefeld (Haus Neuland) informieren.

 

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