Stadt Lübbecke

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27.08.2004

15 Jahre Freundschaft - Jubiläum der Städtepartnerschaft in Tiszakécske gefeiert

Früh, sehr früh morgens ging es los: Um 4.00 Uhr startete eine 30-köpfige Delegation der Stadt Lübbecke und des Lübbecker Musik-Corps vom Betriebshof der Firma Aschemeyer Richtung Ungarn. Denn in diesem Jahr besteht die Städtepartnerschaft zwischen Lübbecke und Tiszakécske seit 15 Jahren. Aus diesem Anlass war bereits im Juli eine größere Delegation aus Tiszakécske mit Künstlern und der Zithergruppe TISZA 83 zu Gast in Lübbecke, jetzt war es Zeit für den Gegenbesuch, um das Jubiläum auch in Tiszakécske offiziell zu feiern.

Nach fast 18-stündiger Fahrt wurden die Gäste am Lübbecker Haus in Tiszakécske vom Bürgermeister Ernö Kovács herzlich willkommen geheißen. In diesem westfälischen Fachwerkhaus am Ufer der Theiß, das seinerzeit mit Spendenmitteln Lübbecker Bürger und Unternehmen errichtet worden war, konnte erstmals ein Teil der Gäste untergebracht werden. Mit Hochdruck hatte die Stadt Tiszakécske daran gearbeitet, damit alles noch rechtzeitig fertig wurde - mit Erfolg. Von der Gardine bis zu den Möbeln, vom Geschirr bis zur Nachttischlampe sind die Zimmer jetzt komplett eingerichtet. Insgesamt 32 Betten in Doppel- und Zweibettzimmern stehen zur Verfügung.

Am nächsten Morgen wurde die Delegation im Sitzungssaal des Rathauses vom Bürgermeister noch einmal offiziell empfangen. Danach konnten zwei örtliche Betriebe besichtigt werden: Die TIGEP GmbH und die Hechinger GmbH. In den unscheinbaren Hallen der TIGEP werden hochwertige Gas- und Dampfturbinenkomponenten für Kraftwerke hergestellt. Im Auftrag von Siemens und General Electric werden hier riesige Stahl- und Aluminiumteile mit haushohen Maschinen milimetergenau bearbeitet. Die Mitarbeiter leisten Präzisionsarbeit, trotzdem verdient ein Facharbeiter dort durchschnittlich nur 3 bis 4 € in der Stunde - brutto wohlgemerkt. Die Hechinger GmbH ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein deutsch-ungarisches Unternehmen. Hier werden hochwertige elektronische Bauteile hergestellt, die sich auch in vielen deutschen Produkten wiederfinden.

Danach ging es nach Kecskemét, Hauptstadt des Komitats Bács-Kiskun. Der Hauptplatz in Kecskemét mit seinen charakteristischen Gebäuden ist als einer der schönsten Stadtzentren des Landes bekannt. Eine einzigartige Besonderheit ist, dass hier die Kirchen fast aller Konfessionen nebeneinander zu finden sind. Die Gäste wurden zunächst im historischen Festsaal des prächtigen Rathauses empfangen. Pfarrer Béla Hegedüs zeigte die bewusst schlicht in Weiß gehaltene Reformierte Kirche und anschließend Pfarrer Sándor Menyhárt den üppigen Barock der katholischen Kirche - zwei völlig gegensätzliche Baustile. Danach folgte ein Abstecher in das Museum von János Bozsó. Der inzwischen verstorbene Künstler hatte 1995 auf Vermittlung der Stadt Lübbecke auch eine Ausstellung seiner Werke im Haus Reineberg. Seine beachtliche Sammlung umfasst neben eigenen Gemälden, hunderte Werke ungarischer Volkskunst.

Auf dem Weg zurück nach Tiszakécske kehrte der Bus auf den Bauernhof von János Tóth ein. Die Gäste erwartete ungarische Zithermusik und schmackhaftes Fleisch vom Grill. Gäste und Gastgeber verbrachten einen herrlichen lauen Sommerabend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird - nicht nur wegen des beliebten Palinka.

Am nächsten Tag, dem ungarischen Nationalfeiertag, fand auf dem Millenium-Platz in Tiszakécske ein offizieller Festakt statt, der vom Lübbecker Musik-Corps musikalisch eingeleitet wurde. Gerade rechtzeitig traf auch Bürgermeister Gerhard Bösch ein, der aus Termingründen der Delegation nachgereist war. Der Bürgermeister hatte gerade Platz genommen, da erhielt er zu seiner Überraschung aus den Händen von Bürgermeister Ernö Kovács den Ehrenpreis der Stadt Tiszakécske verliehen "für seine geleisteten Dienste in der erfolgreichen Förderung der Beziehungen der Partnerstädte Lübbecke und Tiszakécske". Danach wurde am Ufer der Theiß zünftig Gulasch gegessen, wo zu später Stunde noch ein beeindruckendes Feuerwerk gezündet wurde.

Am nächsten Morgen übergab der Bürgermeister der katholischen Kirchengemeinde Tiszakécske eine Spende der Gauselmann Unternehmensgruppe: Einen Fußballkicker für das Gemeindehaus. Die Spende ist der katholischen Kirchengemeinde Lübbecke und insbesondere Herrn Wolfgang Csury zu verdanken. Pfarrer Sándor Menyhárt, der übrigens ausgezeichnet Deutsch spricht, bedankte sich überschwänglich und konnte es gar nicht abwarten, den Kicker mit den Kindern der Gemeinde einzuweihen.

Es folgten eine Kutschfahrt zum Theißufer und eine kleine Bootsfahrt auf der Theiß. Am Abend folgte ein Operetten- und Musikprogramm im Thermalbad. Für die Lübbecker Delegation waren die besten Plätze vor der Bühne reserviert, doch diesmal spielte das - ansonsten sonnige - Wetter nicht mit. Noch während das Lübbecker Musik-Corps zur Einstimmung spielte, zog plötzlich ein heftiges Gewitter mit reichlich Regen auf. Ein hektische Stühlerücken begann auf der Zuschauerseite, um unter dem Dach Platz zu finden und die Bühnentechnik versuchte, sich mit Sonnenschirmen gegen den Regen zu schützen. Doch trotz des schlechten Wetters wurde es noch ein schöner Abend für alle Musikfreunde.

Am Sonntag besuchten viele Gäste den reformierten bzw. katholischen Gottesdienst, den die Brüder Meyer aus Lübbecke musikalisch umrahmten. Es folgte eine Ausstellungseröffnung mit Künstlern aus der rumänischen Partnerstadt Gyimesfelsölok. Eine kleine Delegation aus Gyimesfelsölok war im Juli übrigens mit in Lübbecke dabei. Danach bestand erneut Gelegenheit, das Thermalbad in Tiszakécske zu besuchen.

Der Besuch endete mit dem offiziellen Abschiedsabend. Bürgermeister Ernö Kovács und Bürgermeister Gerhard Bösch dankten allen, die sich in den vergangenen 15 Jahren auf beiden Seiten für die Städtepartnerschaft stark gemacht haben. Allen voran natürlich Ernst Ober-Entgelmeier, der erst im Juli mit einer großen Delegation des FC Lübbecke in Tiszakécske war. Als Gastgeschenk überreichte Bürgermeister Bösch einen Kanalgussdeckel mit dem Lübbecker Stadtwappen, der anlässlich des Jubiläums 725 Jahre Stadtrecht Lübbecke hergestellt wurde.

Bürgermeister Ernö Kovács, Bürgermeister Gerhard Bösch und der stellv. Bürgermeister Dezsö Tóth (von links) bei der Übergabe des gewichtigen Gastgeschenks.

Am nächsten Morgen machte sich die Delegation auf die Rückreise, einigen fiel der Abschied sichtlich schwer. Im Gepäck nicht nur Paprika und ungarischen Wein - sondern auch viele unvergessliche Eindrücke und Erinnerungen. Und eines steht fest: Auch wenn die Fahrt nach Tiszakécske lange dauert, die herzliche Gastfreundschaft der Ungarn lässt die Anstrengungen schnell vergessen.