Stadt Lübbecke

Schnellmenü

Inhaltsbereich

05.11.2003

Information zur aktuellen Bäderdiskussion in Lübbecke

Verehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

es scheint mir an der Zeit und erforderlich, Sie über den aktuellen Sachstand in der Bäderfrage zu informieren.

Eine Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern möchte gern den bisherigen Status, neben dem Hallenbad zwei Freibäder in der Stadt Lübbecke vorzuhalten, beibehalten. Dieser Wunsch ist emotional verständlich und nachvollziehbar, besonders bei denjenigen, die nahe am Bad an der Obernfelder Allee wohnen und / oder dies über Jahrzehnte genutzt haben. Leider gibt es aber objektiv weder eine entsprechende Nachfrage noch ist diese Lösung jetzt und in der näheren Zukunft finanzierbar.

Aufgrund des geänderten Freizeitverhaltens ist die Nachfrage nach Freibädern und damit das Besucheraufkommen deutlich gesunken. Es hat sich in den letzten 25 Jahren in etwa halbiert. Richtwerte besagen, dass man heute für ca. 80.000 Einwohner ein Freibad vorhalten sollte, um den Zuschuss, den letztlich die Bürger mit ihren Steuergeldern bezahlen müssen, in akzeptablen Grenzen zu halten. Der diesjährige Versuch, der von einer großen Mehrheit des Rates getragen wurde, hat gezeigt, dass die Nachfrage selbst in einem "Jahrhundertsommer" allein durch das Amtsfreibad Gehlenbeck sichergestellt werden konnte. In einem normalen Sommer ist dies erst recht der Fall. Die gleichzeitige verlängerte Öffnungsdauer des Hallenbades (jetzt mehr als 9 Monate) sicherte in Lübbecke erstmals ein ununterbrochenes ganzjähriges Badeangebot, dass von den Bürgern sehr gut angenommen wurde.

In einer Stadt wie Lübbecke mit etwas mehr als 26.000 Einwohnern gibt es keinen Bedarf und - zumindest derzeit - auch keine Finanzierungsmöglichkeit für zwei Freibäder. Alle interessierten Lübbecker Bürger hatten in diesem Sommer Platz und Spaß im Gehlenbecker Freibad, das mit rd. 41.800 m² Fläche im Vergleich zum Lübbecker Freibad mit rd. 13.800 m² Fläche über das wesentlich größere Fassungsvermögen verfügt. Mit rd. 1.500 Besuchern ist im Lübbecker Freibad bereits die Kapazitätsgrenze erreicht.

Das Gehlenbecker Freibad bietet dagegen Platz für mehr als 3.500 Besucher. Hieran ist deutlich zu erkennen, dass nur das Amtsfreibad Gehlenbeck bei "Badewetter" der Besuchernachfrage gewachsen ist. Leider liegt dieses Bad nicht im Zentrum der hier wohnenden Menschen. Das ist bedauerlich, aber nicht zu ändern. Außerdem ist das Gehlenbecker Bad moderner und in betriebsbereitem Zustand. Dies ist beim Obernfelder Bad nicht der Fall.

Durch die Konzentration des Freibadangebotes auf den diesjährigen Standort wurde der Zuschussbedarf für die Bäder jährlich um mehr als 100.000 Euro reduziert. Nur durch diese Entscheidung konnte die Stadt Lübbecke als einzige Kommune weit über die Grenzen des Kreises Minden-Lübbecke hinaus das gesamte gewohnte und wichtige bisherige Kultur- und Sportangebot uneingeschränkt erhalten und den relativ hohen Standard bei den Schulen halten. Vielmehr hat die Stadt Lübbecke die Zuschüsse an die Vereine sogar erhöht, um deren wichtige Arbeit, von der ca. 14.000 Vereinsmitglieder profitieren, nicht mit Fensterreden, sondern mit Geld zu unterstützen. Bei uns müssen Vereine kein Geld für die Nutzung von Bädern, Sporthallen oder Sportplätzen zahlen und das soll möglichst auch so bleiben. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte ist die Fahrt zum Freibad nach Gehlenbeck vertretbar, insbesondere wenn man bedenkt, dass das Freibadangebot von der überwiegenden Zahl der Lübbecker Bürgerinnen und Bürger durchschnittlich nur drei bis vier Wochen im Jahr angenommen wird. An ca. 60 Tagen und damit 2/3 der Öffnungszeit eines Freibades dürfen wir nur unsere 60 - 80 erwachsenen Dauergäste begrüßen, für die ein Freibad sicherlich ausreichend ist.

In das Lübbecker Freibad müssen laut der vorliegenden Kostenschätzung eines renommierten Dortmunder Fachingenieurbüros in den nächsten Jahren weit mehr als 2 Mio. Euro investiert werden, um es fachgerecht zu sanieren und in Betrieb zu halten. Diese Kostenschätzung können Interessierte gerne bei uns einsehen. Eine derartige Summe steht aber nicht zur Verfügung, noch wäre die Investition aufgrund der geringen Besucherzahlen zu verantworten, weil wir sie nur auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder realisieren könnten.

Nur durch restriktiven und sparsamen Umgang mit Gebäuden und Einrichtungen – kurz, mit den anvertrauten Steuergeldern - kann sich die Stadt Lübbecke auch zukünftig ihre Handlungsfähigkeit erhalten. Vielleicht wird Lübbecke in einigen Jahren die einzige Kommune im Umkreis sein, die ihren Bürgern ein ganzjähriges Badeangebot bieten kann.

Das Gelände des Freibades Lübbecke soll als "Grüne Lunge" auf jeden Fall als ein Erholungs- und Freizeitbereich für die Lübbecker Bevölkerung erhalten bleiben. Damit wird die Option gewahrt, dieses Gelände dem sich ändernden Freizeit- und Erholungsverhalten der Bürgerinnen und Bürger auch in der Zukunft anzupassen.

Leider teilen die Ratsfraktionen WL und LK Ihnen diese Zusammenhänge im anlaufenden Bürgerbegehren nicht mit, obwohl sie ihnen bekannt sind. Bitte informieren Sie sich genau, bevor Sie eine Entscheidung treffen, die weitreichende Wirkung haben kann. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ich selbst stehen Ihnen gerne für Sachinformationen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Gerhard Bösch
(Bürgermeister)