Stadt Lübbecke

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01.04.2017

Lübbecke soll Wintersportmekka werden

Stadt enthüllt Pläne für eine überdachte „Wintersport-Erlebniswelt“

Lübbecke. „SchneeArena Wiehengletscher“ heißt das ehrgeizige Projekt, mit dem die Stadt Lübbecke einen touristischen Glanzpunkt mit Strahlkraft über die Grenzen der Region hinaus setzen will. Bis 2022 soll auf dem Gelände des ehemaligen Steinbruchs im Reineberger Hagen unter Ausnutzung der natürlichen Hanglage eine Wintersport-Erlebniswelt mit „Cabrio-Dach“ entstehen, das wetterunabhängigen Schneegenuss zwischen September und Juni möglich machen würde. In den Sommermonaten böte die Anlage rasante Abfahrten an einer „ZipLine“, einer Seilrutsche mit etwa 25-prozentigem Gefälle.

Der Betrieb der Anlage soll vollständig klimaneutral erfolgen und so Freizeitsport mit dem Umweltgedanken unter einen Hut bringen. Das bewegliche Dach nach dem Vorbild der „Arena auf Schalke“ wird großflächig mit Solarpanels gedeckt sein, und auch darüber hinaus benötigter Strom wird zu 100 Prozent aus regenerativen Energiequellen stammen. Eine ausgefeilte Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, die in öffentlich-privater Partnerschaft mit der Brauerei Barre auch für deren Produktionsanlagen entwickelt wird, stellt den umweltfreundlichen Betrieb der Kühlung und Pisten-Beschneiung sicher.

Weltcup-Veranstaltung im Parallelslalom angedacht

Das Angebot des „Wiehengletschers“ richtet sich gleichermaßen an Einsteiger und Fortgeschrittene im Ski- und Snowboard-Sport. In einem abgetrennten Bereich soll zudem eine besonders kinder- und familienfreundliche Rodelbahn entstehen. Die einzelnen Pisten werden rund 500 Meter lang und damit die längsten Indoor-Abfahrten Europas sein – lang genug auch, um Gastgeber eines Weltcup-Rennens im Parallel-Slalom zu werden. Der Deutsche Ski-Verband (DSV) hat diesbezüglich bereits Unterstützung signalisiert und sieht im Standort Lübbecke eine „hervorragende Möglichkeit, neue Märkte im norddeutschen Bereich zu erschließen“, so DSV-Präsident Dr. Fritz Steinle.

Auch als ungewöhnliche Location für Tagungen, Weihnachtfeiern mit Schneegarantie, Produktpräsentationen und exklusive Firmenveranstaltungen werde der „Wiehengletscher“ einen einzigartigen Rahmen bieten, gibt Lübbecke-Marketing-Geschäftsführer Peter Schmüser einen Einblick in die strategischen Überlegungen der Planer. „Im Tourismus schlummert für Lübbecke noch ein Riesenpotenzial“, so Schmüser. Er erhoffe sich eine „befruchtende Wirkung“ vor allem für das Gastgewerbe. In diesem Zusammenhang werde möglicherweise auch die Ansiedlung eines größeren Hotelbetriebs interessant, zum Beispiel auf dem Gelände der ehemaligen Königsmühle.

Frank Haberbosch sieht im „Wiehengletscher“ ein „Leuchtturmprojekt für Ostwestfalen“. Dass es in Lübbecke entstehen soll, betrachtet der Bürgermeister als Ausdruck der besonderen Innovationskraft, die diese Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger auszeichne. „Man muss auch mal Dinge ganz neu denken, damit man nicht immer zu denselben Ergebnissen kommt“, so Haberbosch.

Schub für die Entwicklung der heimischen Wirtschaft

Wirtschaftsförderer Claus Buschmann rechnet mit einem „gigantischen Schub für die Entwicklung der heimischen Wirtschaft“, der sich nach ersten Berechnungen in bis zu rund 750 zusätzlichen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen äußern könne. „Damit nähme Lübbecke endgültig eine absolute Spitzenposition in NRW ein“, sagt Buschmann.

Hinsichtlich der Bewirtung setzen die Planer auf Synergieeffekte mit der benachbarten Brauerei, die sich exklusiv engagieren will. Brauerei-Geschäftsführer Christoph Barre, der seit Beginn der ersten Vorgespräche an den Planungen beteiligt ist, macht aus seiner Begeisterung für das Projekt keinen Hehl: „Wintersport und Après-Ski werden vollkommen zu Unrecht mit Glühwein und Jagertee assoziiert. Unser Konzept lautet: Zielschuss – Einkehrschwung – Bierchen!“

Für Bau und Inbetriebnahme haben die Stadt und das Investorenkonsortium einen potenten Partner mit internationaler Erfahrung gewinnen können: Der Schweizer Lift- und Anlagenbauer HuereGuet & Pedenz war unter anderem an der Realisierung der olympischen Winterspiele von Sotschi 2014 beteiligt und hat weltweit inzwischen über 100 Skigebiete technisch erschlossen.

Ein Skigebiet der kurzen Wege

Durch seine Lage direkt an der Bundesstraße 239 ist die verkehrsplanerische Erschließung des Gebietes „Reineberger Hagen“ aus Sicht der Planer eine vergleichsweise einfache Angelegenheit. Vorgespräche mit dem Landesbetrieb Straßenbau NRW hätten diesbezüglich keine Schwierigkeiten offenbart, sagt Baudezernent Ingo Ellerkamp. Das großzügige Gelände bietet demnach Platz für aufgeständerte Parkflächen auf insgesamt vier Ebenen, die ein Garant für kurze Wege sein. Die PKW-Stellflächen sind allesamt mindestens 3 Meter breit ausgelegt.

Positive Entscheidungen des Rats und der übrigen Beteiligten sowie ein reibungsloses Verfahren für die Schaffung von Planungs- und Baurecht vorausgesetzt, wäre unter Berücksichtigung der notwendigen Bauzeit ein möglicher Termin für die feierliche Eröffnung des „Wiehengletschers“ der 1. April 2022, erklärt Bürgermeister Haberbosch. In jedem Fall aber werde man früher fertig werden als der Flughafen Berlin-Brandenburg.