Stadt Lübbecke

Schnellmenü

Inhaltsbereich

Von der Badeanstalt an der Matzenbleiche bis zum Freibad Obernfelder Allee

Sportliche Aktivitäten in Lübbecke

Am 11. Juli 1905 stellte der Bleichereibesitzer August Glösemeyer bei der Stadtverwaltung Lübbecke einen Antrag auf Eröffnung einer öffentlichen Bade- und Schwimmanstalt. Mit folgenden Worten versuchte Glösemeyer die Verwaltung für sein Vorhaben einzunehmen:

"Wohllöblichem Magistrate erlaube ich mir folgende Bitte vorzutragen: Ich beabsichtige, im Norden meiner Besitzung, der Matzenbleiche [Bleichstraße], eine öffentliche Bade- und Schwimmanstalt zu errichten, worüber ich die Pläne zugleich einreiche. Ich bin der Ansicht, daß das [Brunnen-] Wasser meiner Besitzung zu diesem Zwecke wohl geeignet ist, zumal die Wassermenge stündlich etwa 2 cbm beträgt und auch bei der Trockenheit des vorigen Sommers keine Abnahme zeigte. Außerdem glaube ich, mit der Anstalt einem dringenden Bedürfnisse entgegen zu kommen. Ich gebe mich darum der Hoffnung hin, daß Wohllöbl. Magistrat mein Vorhaben zu unterstützen und zu fördern wohl bereit sein wird."

 

 

Kaum war der Plan in der Öffentlichkeit bekannt, als die Lehrer Fürhölter, Rüter, Röttger, Römeling und Wibbeling beim Magistrat den Antrag stellten, man möge "die Knaben der Volksschule ohne besonderes Entgelt baden lassen." Dem Antrag wurde, soweit ersichtlich, nicht entsprochen.

Im Sommer 1907 war es soweit. Die Glösemeyersche Badeanstalt war betriebsbereit. Sie bestand noch in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts als Rohlfingsche Badeanstalt. Die letzte Überprüfung fand im Juni 1934 statt.

Annonce zur Eröffnung der Badeanstalt Glösemeyer

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu zahlreichen Vereinsneugründungen. Dazu gehörte in Lübbecke ein Schwimmverein, der sich nach dem Wassergeist "Undine" benannte. Am 25. März 1921 reichte der Verein seine Satzung bei der Stadtverwaltung ein. Obwohl keine Anzeigepflicht mehr bestand, hatte der Vereinsvorsitzende Karl Möller diesen Weg gewählt, um so bei der Stadtverwaltung für die Einrichtung einer Badeanstalt am Lübbecker Kanalhafen zu werben. Seinen Zweck begründete der Verein mit der Pflege der Schwimmkunst in all ihren Arten und insbesondere damit, den Sport unter den Jugendlichen zu fördern.

Der Verein beschloß am 4. Dezember 1921, an die Stadtverwaltung mit der Bitte heranzutreten, sie möge die Erlaubnis zum Bau eines Sprungbrettes und einer Umkleidekabine am Kanalhafen erteilen. Der Verein hatte Spenden gesammelt. Auch die Stadtverwaltung hatte einen kleinen Beitrag beigesteuert. Vorgesehen war, die Bautischlerei Bünemann mit der Arbeit zu betrauen. Alle Bemühungen waren letzten Endes vergeblich. Die Inflation machte einen Strich durch die Rechnung.

Am 13. Juli 1925 beschloß der Stadtrat die Errichtung einer Volksbadeanstalt am Kanal "unter Inanspruchnahme des erforderlichen Geländes von der städtischen Wiese am Hafen". Bei der städtischen Wiese handelte es sich um den Restbestand der ehemaligen Schulwiesen im Niederbruch. Ein Spendenaufruf erbrachte in kurzer Zeit den Betrag von 1.200 Mark. Im Ratsprotokoll wurde festgehalten, daß man beabsichtige, am Kanal ein Luft- und Sonnenbad zu errichten. Für die Schwimmer sollten ein Sprungbrett und eine Treppe angelegt werden. Vorgesehen waren weiter ein Raum für den Badewärter, sechs Umkleidekabinen und eine Halle zum Auskleiden für die Kinder.

Wenig angetan von dem Plan war der Männerturnverein. Er hatte jede Spende mit der Begründung abgelehnt, daß die Badeanstalt zu weit von der Stadt entfernt sei.

Am 4. August 1925 beschloß der Magistrat, die Bauarbeiten an die Firma Bünemann zu vergeben. Eine neue Spendenliste schloß mit 1.231 Mark ab. Bekannte Firmen wie die Kammgarnspinnerei, Vogeler, Ruben, Gerlach, Barre, Niederstadt und Frese führten die Spendenliste an. Einige wohlbetuchte Geizkragen hatten nicht gespendet. Sie waren angeblich verreist gewesen. Wieder andere hatten nicht gespendet, weil sie die Badeanstalt am Kanalhafen für überflüssig hielten oder meinten, daß die Badeanstalt an der Matzenbleiche ausreiche.

Um weitere Gelder locker zu machen, stellte die Stadtverwaltung bei der Regierung einen Antrag auf Gewährung einer Beihilfe aus dem Jugendpflegefonds. Voraussetzung für einen Regierungsbeitrag war der Nachweis, daß die Verwaltung lokale Vereine unterstützte, die sich besonders um die Jugend kümmerten. Dazu zählten der Männer-Turnverein, der Turnverein "Germania", der Turnverein "Vorwärts" und der Lübbecker Fußballclub. Der Schwimmverein "Undine" taucht in der Liste der Sportvereine nicht auf. Es gibt an anderer Stelle nur den Hinweis, daß sich ein neuer Schwimmverein bilden könnte.

Am 3. Juli 1926 wurde die städtische Badeanstalt am Nordufer des Kanalhafens eröffnet. "Schwimmunkundige Personen waren nicht zugelassen". Jugendliche mußten beweisen, dass sie sich freigeschwommen hatten. Mit anderen Worten: Einen geprüften Bademeister gab es nicht. Außerdem fehlte ein Nichtschwimmerbecken.

Im Frühjahr 1928 wurde eine Badebühne, wie es damals hieß, an der Uferböschung gebaut. Der abgezäunte Bereich war für Nichtschwimmer gedacht. Am 30. Mai 1929 übernahm Rudolf Scheiding das Amt eines städtischen Bademeisters. Bei der Übernahme des Amtes hatte die Stadtverwaltung auf eine seit Jahrhunderten bewährte Praxis bei der Ausübung städtischer Ämter zurückgegriffen.

Die städtische Badeanstalt wurde an Scheiding für 300 Reichsmark verpachtet bei einer Pachtdauer vom 5. Juni bis 1. September 1929. Bei der Endabrechnung stellte sich heraus, daß die Pachtsumme herabgesetzt werden mußte, um dem Bademeister wenigstens einen kleinen Gewinn zukommen zu lassen.

Inzwischen war ein neuer Schwimmverein gegründet worden. Am Sonntag, dem 10. Juni 1928, waren Schwimmfreunde im Haus des August Beiderwellen, Rahdener Straße 143, zusammengekommen, um den Schwimmverein "Neptun" aus der Taufe zu heben. Beiderwellen betrieb in dem Haus einen kleinen Lebensmittelladen. 

In einem Bericht der Stadtverwaltung vom 11. Mai 1934 an die vorgesetzte Dienststelle bei der Reichsregierung in Berlin heißt es zur Aufsicht. "Als Bademeister fungiert eine Person, die im Besitz des Grundscheins für Lebensrettung ist. Bestimmend war bei der Einstellung der Umstand, dass der Betreffende jahrelang erwerbs- und einkommenslos war und seit 1931 Mitglied in der NSDAP ist (alter Kämpfer). Der Bademeister ist nicht in der Lage, die Kosten für die Schwimmmeisterprüfung aufzubringen." Auch die Stadt dachte nicht daran, die Kosten zu übernehmen, und private Geldgeber waren nicht in Sicht.

Der 19. Juli 1931 war ein besonderer Tag für den Schwimmverein "Neptun". Er hatte, wie schon im Vorjahr, ein gauoffenes Schwimmfest am Kanalhafen ausgerichtet. Trotz der kühlen Wassertemperatur von nur 16 Grad hatten sich zahlreiche Teilnehmer angemeldet. Besonderes Interesse fand das Stafettenschwimmen um einen Pokal, den die Frau des Fabrikanten Wilhelm Blase zum Andenken an die Gefallenen des Weltkrieges gestiftet hatte. Am Schluß stand ein Wasserballspiel zwischen den Mannschaften der Schwimmvereine Bielefeld und Minden. Das Spiel gewann die Bielefelder Mannschaft. Anschließend gab es ein Treffen im Festzelt des Gastwirtes Spilker, wo der Vereinsvorsitzende des Schwimmvereins "Neptun", Peter Zahn, die Gäste willkommen hieß.

Die ersten Planungen zum Bau einer Badeanstalt an der Obernfelder Allee gehen auf das Jahr 1938 zurück. In der Ratssitzung vom 29. April 1938 war sich das Gremium einig, dass die Badeanstalt am Hafen erhalten bleiben müsse. Weiter heißt es dazu im Protokoll: "Sollte in den nächsten Jahren eine Reparierung des Nichtschwimmerbeckens nicht mehr möglich sein, so ist dasselbe abzubrechen, und es ist zu versuchen, im Anschluß an den Sportplatz an der Obernfelder Allee ein Planschbecken für Kinder zu bauen, dem später ein Schwimmbad angeschlossen werden kann."

In derselben Sitzung befaßte man sich mit dem Ausbau des Sportplatzes. Uneinigkeit herrschte über den Kostenvoranschlag des Tiefbauunternehmers Lemkemeier. Hier sollte nachverhandelt werden. NS-Bürgermeister und Kreisleiter Meiring hatte das Projekt "Ausbau des Sportplatzes" seit 1935 vorangetrieben. Es gab einen ideologischen Hintergrund. Der Bürgermeister wollte seine Verbundenheit mit dem Oberpräsidenten der Provinz Westfalen und Gauleiter von Westfalen-Nord, Dr. Alfred Meyer, in der Öffentlichkeit manifestiert sehen.

Am 4. Januar 1941 wurde die Alfred-Meyer-Kampfbahn an der Obernfelder Allee in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Verwaltung, Betrieben und der Parteihierarchie eingeweiht. Nachdem der Jungvolkfanfarenzug, eine Unterorganisation der Hitler-Jugend, einen Marsch geschmettert hatte, ergriff Bürgermeister Dr. Becker das Wort.

Bemerkenswert ist aus heutiger Sicht, daß nach seinen Worten ein Schwimmbad in Planung war, das mit dem Sportplatz verbunden werden sollte. Zwar habe der Krieg alle Vorbereitungen zunichte gemacht, so Becker, jedoch werde an der Planung festgehalten. Dem Kreisleiter Meiring war es vorbehalten, die eigentliche Einweihung der Kampfbahn an der Obernfelder Allee zu vollziehen. Mit markigen Worten strich er die Leistungen des Oberpräsidenten der Provinz Westfalen heraus, Leistungen, so Meiring, von denen auch Lübbecke profitiert habe.

In den 40er Jahren der damaligen Zeit gab es noch zwei weitere Badeanstalten in Lübbecke. Die Jugend hatte die Wahl zwischen der Betriebsbadeanstalt der Firma Blase an der Friedhofstraße und illegal dem Feuerlöschteich am Westerwall nahe dem Hotel Holland-Moritz. Gern benutzt wurde von den Lübbeckern das Blasheimer Freibad in der Blasheimer Masch. Favorit blieb nach wie vor die Badeanstalt am Lübbecker Hafen.

Der letzte Eintrag zur Alfred-Meyer-Kampfbahn in der Stadtchronik wurde am 22. Juni 1942 gemacht. Am 21. Juni "wurde der Bannentscheid des Bannes 834 Lübbecke auf der Alfred-Meyer-Kampfbahn durchgeführt. 361 Mädel und 465 Jungen waren dazu angetreten." Es handelte sich um einen jährlich ausgetragenen Sportwettkampf der Hitler-Jugend. Unter "Bann" verstand man eine Organisationseinheit im Rangstufensystem der Hitler-Jugend.

Im Juni 1943 begannen verstärkt die massiven Luftangriffe der Alliierten auf deutsche Städte. Schon zu morgendlicher Stunde flogen Bomber in sogenannten Pulks in den deutschen Luftraum ein. An einen geregelten Schul- und Sportunterricht war nicht mehr zu denken. Außerdem wurde die Turnhalle der Mittelschule seit dem Frühjahr 1942 von der Papierfabrik als Lagerraum benutzt. Die Turnhalle der Aufbauschule konnte noch genutzt werden.

Trotz der unsicheren Kriegszeit gab es, wenn auch kriegsbedingt eingeschränkt, Sport- und Freizeitaktivitäten. Am 10. Mai 1944 erschien ein etwas betulicher Artikel in den "Westfälischen Neuesten Nachrichten", der die Tageswanderung des Heimatvereins Lübbecke beschrieb. In dem Bericht heißt es u.a.: "Der Nachmittag brachte dann die Besichtigung der beiden Wasserburgen Hollwinkel und Ellerburg. Die Kastanien an dem Burggraben steckten die ersten Kerzen an, zwischen den vielen Wasserrosenblättern auf dem Burgteich flitzten schöne Teichhühner entlang und am rauschenden Mühlenwehr schossen Rauchschwalben über das blitzende Wasser hin und her. Die Pappeln und Eichen am Erbbegräbnis wiegten im Frühlingswind ihre Zweige; im Park und im Auwäldchen ließen die vielen Nachtigallen ihren hellen Ruf erklingen." Autorin war Dr. Gretchen Holle, die hier ihren dichterischen Inspirationen folgte. Später sollte sie die Stadtbücherei leiten.

"Lübbecke steht im Zeichen des Sports", heißt die Überschrift zu einem Artikel, der in der bereits genannten Zeitung am 24. Juni 1944 erschien: Dort heißt es: "Nach dem Willen des Führers ist jeder deutsche Junge und jedes deutsche Mädel verpflichtet, sich einmal im Jahr einer sportlichen Leistungsprüfung zu unterziehen. Diese gewaltige Kundgebung auf dem Gebiete der Leibesübungen der gesamten Jugend unseres Volkes ist der Reichssportwettkampf, der vor vierzehn Tagen auch in Lübbecke durchgeführt wurde. Die besten Wettkämpfer und Wettkämpferinnen des gesamten Banngebietes treten nun morgen auf der Alfred-Meyer-Kampfbahn in Lübbecke zu den Leichtathletik-Bannmeisterschaften 1944 an. Zur gleichen Zeit, da der Startschuß auf der Alfred-Meyer-Kampfbahn das Zeichen zum Beginn der Wettkämpfe der Jugend geben wird, wird in der Turnhalle und auf dem Schulhof der Wittekindschule in Lübbecke der Altersriegenwettkampf des Kreises Wittekind (Kreise Lübbecke, Minden und Herford) seinen Anfang nehmen."

Die Turnhalle der Aufbauschule wurde in den Monaten Oktober und November des Jahres 1944 von einer Einheit der Waffen-SS, der Leibstandarte Adolf Hitler, belegt, die sich auf den Einsatz an der Westfront, bekannt als Ardennenoffensive, vorbereitete. Der Turnunterricht war praktisch zum Erliegen gekommen.

Für die Jahre 1944/45 ist allgemein festzustellen, daß sich die sportlichen Aktivitäten der Vereine und Schulen kriegsbedingt in Grenzen hielten. Die Kleintierhalter fanden auf der Alfred-Meyer-Kampfbahn ein reiches Betätigungsfeld. Hier sah man schon einmal Hauskaninchen in ihrem Gehege herumhoppeln. Ein paar Ziegen wurden auch gesichtet. Die Stadtverwaltung griff ein und verpachtete Grasflächen an Kleintierhalter und andere Interessenten.  

Die Badeanstalt am Kanal hatte im Sommer des Nachkriegsjahres 1945 von ihrer Zugkraft nichts eingebüßt. Es hatte sich jedoch eine zweite Badeanstalt am Kanal  aufgetan. Angehörige der britischen Besatzungsmacht bevorzugten die Uferböschungen an der Hausstätte. Hier hatte sich in wenigen Wochen ein buntes Völkergemisch zusammengefunden. Ungestörte Badefreuden waren möglich, denn die gesprengten Brücken hatten jeden Schiffsverkehr blockiert. Die Schmutzstoffe im Wasser waren zu Boden gesunken. Das Wasser war so klar, daß man die fortgeworfene Munition der geflohenen deutschen Soldaten auf dem Grund sehen konnte.

Und die Alfred-Meyer-Kampfbahn?  Sie wurde von den Briten zu einem Kricketplatz umfunktioniert. Mit der privaten Nutzung durch die Kleintierhalter war es jetzt vorbei. Arbeitskräfte rückten an, um mit der Sense das Gras abzumähen, das Unkraut zu entfernen und die zahlreichen Maulwurfshügel platt zu machen.

Am 4. August 1948 war in der "Freien Presse", die damals nur dreimal wöchentlich erschien, ein Artikel unter der Überschrift "Lübbeckes Stadtväter wasserscheu?" zu   lesen. Darin hieß es : "Auch bei uns ist es nicht unbekannt, daß es kleine und kleinste Ortschaften gibt, die mit Stolz auf eine Badeanstalt blicken können. Einen solchen Stolz hat die Stadt Lübbecke unbegreiflicherweise nicht. Zwar hat schon einmal am Lübbecker Hafen eine Bademöglichkeit bestanden. Die Stadtväter haben scheinbar die Gelegenheit versäumt, die entsprechenden Anlagen beizeiten wieder instandzusetzen. Begreiflicherweise suchen die Lübbecker aus Mangel an anderer Gelegenheit in starkem Maße den nahegelegenen Mittellandkanal auf und machen ihn im Lübbecker Raum in seiner ganzen Länge zum Strandbad. Leider hat diese Sache einen Haken, denn das Baden ist dort verboten, weil möglicherweise die Kanalböschung und die angrenzenden Ländereien zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden."

1952 waren die Planungen für den Bau einer Badeanstalt an der Obernfelder Allee so weit gediehen, daß sich der Stadtrat in seiner Sitzung vom 9. Juli 1952 mit der Vergabe der Bauarbeiten befasste. Die Stadtvertreter drängten auf sofortigen Baubeginn. Beteiligt waren die Lübbecker Bauunternehmer Schröder, Bünemann und Frewert sowie andere Unternehmen.

Im Frühjahr des folgenden Jahres waren die Bauarbeiten so weit fortgeschritten, daß am 11. April in Anwesenheit von Bürgermeister Hülsmeier auf dem Sprungturm der Richtbaum gesetzt werden konnte. Wenige Tage vor der Einweihung und Eröffnung der Badeanstalt stellte ein verkaufstüchtiger Jungunternehmer bei der Stadtverwaltung den Antrag, einen Stand mit "Lülfs Rostbratwurst" aufstellen zu dürfen. Die Stadt teilte ihm mit, daß die Badeanstalt kein Jahrmarkt sei und seinem Antrag nicht stattgegeben werden könne. Auch der Schwimmverein "Neptun" erhielt eine Absage, als er sein 25-jähriges Bestehen mit der Einweihung verbinden wollte. In der Verhandlungsniederschrift des Hauptausschusses vom 12.Juni 1953 heißt es: "Der Hauptausschuss wünscht, dass das 25-jährige Bestehen des Schwimmvereins Neptun nicht mit der Einweihung verquickt wird."

Am Sonnabend, 4. Juli 1953, wurde das Freibad an der Obernfelder Allee eingeweiht. Bürgermeister Hülsmeier konnte die Glückwünsche des Vorsitzenden des Westdeutschen Schwimmverbandes, Albert Pellman, entgegennehmen, der von einer modernen sportgerechten Anlage sprach. Bemerkenswert war der Sprungturm mit vier Plattformen, aufsteigend von drei bis 10 Metern. Hier zeigte die Herforder Springschule ihr Können. Die abschließende Darbietung war ein Wasserballspiel zwischen Mannschaften aus Herford und Bielefeld. Dann hieß es: Bad frei für alle. Die Badeaufsicht lag in den Händen von Ernst Ober-Entgelmeier, der schon am Kanal dieser Tätigkeit nachgegangen war.

Damit waren die Feiern nicht beendet. Im geschmückten Lübbecke rüstete man sich für den Durchmarsch der Bürgerschützen, die traditionsgemäß an diesem Tag die beiden Schützenkönige abholten, um sie zum Schützenhaus zu begleiten, wo bis in die Morgenstunden gefeiert wurde. Ebenso munter ging es im Saale Hein an der Osnabrücker Straße zu. Hier feierte der Schwimmverein "Neptun" sein 25-jähriges Bestehen, der laut Presseberichten einmal als Schwimmverein "Undine" gestartet war. Zu den geehrten Gründungsmitgliedern gehörten der Rechtsanwalt und Notar Dr. Gerhard Bahre sowie August und Wilhelm Beiderwellen.

Die Lübbecker "Freie Presse" widmete dem Ereignis am Eröffnungstag eine ganze Seite und schrieb: "Ein langgehegter Wunsch ist nun erfüllt – Lübbecke, die 'Perle am Wiehengebirge', hat endlich seine moderne Freibadeanstalt, und glücklich wird seine Bevölkerung aufatmen, nun nicht mehr hinaus nach dem Mittellandkanal pilgern zu müssen, um in den Genuss eines kühlen Bades zu kommen."

Das sahen einige Unermüdliche ganz anders und radelten weiter zum Kanal, um, wie gewohnt, dort ein erfrischendes Bad zu nehmen.

Lübbecke, 18. Februar 2004

 

 

 

Autor: Stadtarchivar Helmut Hüffmann 

Kontakt

Frau Christel Droste »
Stadtarchiv
Telefon: 05741 276-411
Fax: 05741 347183
E-Mail oder Kontaktformular