Stadt Lübbecke

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Fundstücke berichten über frühere Baumaßnahmen an der Jahn-Realschule Lübbecke

Am 18. April 2005 stieß ein Mitarbeiter der Firma Läer und Rahenbrock (Georgsmarienhütte) im Zuge der Abbrucharbeiten an der Jahn-Realschule auf Schriftstücke, die auf den Neubau der Schule im Jahre 1929 und die Umbaumaßnahmen in den 1950er/60er Jahren Bezug nehmen. Es sind Erinnerungsstücke, die damals bei den Richtfesten in das Mauerwerk eingelassen worden waren. Die Unterlagen wurden inzwischen in den Bestand des Stadtarchivs Lübbecke aufgenommen.

Ein Schriftstück, dass urkundenähnlich abgefasst ist, bezieht sich auf das Jahr 1929 und beschreibt die Bauausführung. Zum heutigen Verständnis sind im folgenden Zitat einige Zusätze eingefügt. In dem Dokument heißt es u. a.:

"Die Schulräume der evangelischen Volksschule am Markt in Lübbecke i./Westf. reichten seit längerer Zeit nicht mehr aus. Ein Teil der Klassen mußte in dem an den Staat abgetretenen Gebäude der Aufbauschule untergebracht werden. Das Provinzial-Schulkollegium hat die Erlaubnis zur Weiterbenutzung der Räume aber zurückgezogen, weil diese für die Zwecke der Aufbauschule notwendig geworden sind. Die städtischen Körperschaften beschlossen deshalb, ein neues Volksschulgebäude zu errichten. Als Bauplatz wurde das im Besitz der Stadt befindliche Schulland an der Rahdener-, Bohlen- und Gerichtsstraße (heute Jahnstraße) mit 8.386 qm Größe in Aussicht genommen. Zur Erlangung von Plänen wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Das eingesetzte Preisgericht entschied sich für den Entwurf des Architekten Kramer, Bielefeld. Die städtischen Körperschaften schlossen sich dem Vorschlage der Preisrichter an und beauftragten Kramer mit der Bearbeitung der Pläne. Die Ausschreibung der Arbeiten sowie die örtliche Bauleitung erfolgt durch das Stadtbauamt Lübbecke. Von den im Vorentwurf vorgesehenen 16 Klassen werden im ersten Bauabschnitt nur 6 ausgeführt. Außerdem kommen zur Ausführung: die Turnhalle, die Badeanstalt, die auch von der Bürgerschaft für Wannenbäder genutzt werden kann, und die Hausmeisterwohnung, sowie Lehrer- und Konferenzzimmer mit den entsprechenden Nebenanlagen. Mit der Ausführung des Baues wurde am 11. April 1929 begonnen. Am 15. Juni 1929 war das Kellergeschoß und am 23. August 1929 das aufstehende Mauerwerk fertig, sodaß der Bau gerichtet werden konnte."

Die Zeitumstände machen deutlich, welche Herausforderungen an die Stadt Lübbecke gestellt wurden. Das Jahr hatte für die fast 5.000 Einwohner der Stadt Lübbecke mit großer Kälte begonnen. Noch im Februar und März wurden – 24º C gemessen. Wegen Mangel an Brennstoffen hatte man den Unterrichtsbetrieb an der Evangelischen Volksschule einstellen müssen. Kohlenlieferungen trafen nur mit Verzögerung ein, da der Kanal aufgrund einer 40 cm dicken Eisdecke unpassierbar geworden war. Die Stadtverwaltung Lübbecke unter Bürgermeister Reineke verteilte Kohlen an die Erwerbslosen, Bedürftigen und kinderreichen Familien, um wenigstens die größte Not abwehren zu können. Im Sommer herrschte eine Hitzewelle, die an machen Tagen die Wasserversorgung beeinträchtigte. Im Juli 1929 wurden im Bereich Alsweder Straße/Kutscherweg Pumpversuche für die in Planung befindliche zentraleWasserversorgung der Stadt durchgeführt.

Als das neue Schulgebäude an der Bohlenstraße am 5. August 1930 eingeweiht wurde, war Rektor Schlomann Leiter der Evangelischen Volksschule. Im alten Schulgebäude am Markt befanden sich zu der Zeit die so genannten "gehobenen Klassen". Es dauerte jedoch nur wenige Jahre, bis erneut ein Wechsel vollzogen werden musste. Am 1. April 1939 bezog die Volksschule wieder das Schulgebäude am Markt, während die gehobenen Klassen den Status einer Mittelschule, später Realschule, erhielten und in das Gebäude an der Bohlenstraße wechselten.

Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1948 war das Schulgebäude an der Bohlenstrasse von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Der Unterricht konnte während dieser Zeit nur in dem Gebäude der Volksschule am Markt erteilt werden. Auch die anderen Lübbecker Schulen nahmen das Gebäude für die ersten wenigen Unterrichtsstunden in Anspruch.

Da die Schülerzahl in der Nachkriegszeit anstieg, mussten für die Schulen bauliche Massnahmen eingeleitet werden. In den Jahren 1952/53 wurde an der Südseite der Realschule ein kleiner Flügel angebaut. Dennoch herrschte schon zu Beginn der 1960er Jahre erneut Raumnot. Schulleiter Beinke drängte auf eine Erweiterung des Schulgebäudes. Im Herbst 1964 begann man unter Schulleiter Wenz mit der Umsetzung von Bauplänen, die von Dipl.-Ing. Fiergolla erstellt worden waren. Die erste Umbauphase schloss Ende 1966 mit der Errichtung eines Klassentraktes an der Südseite des Grundstücks. Im zweiten Bauabschnitt wurden bis Anfang 1968 die im Jahre 1929 errichteten Klassen zu naturwissenschaftlichen Unterrichtsräumen und für die Nutzung durch die Schulverwaltung umgestaltet. Daran schloss sich im dritten Bauabschnitt die Erweiterung der Turnhalle und deren Aufstockung zur Schaffung einer Aula an. So weit die Informationen zum Schulbau, wie sie in den Fundstücken bei den Abbrucharbeiten unserer Tage gefunden wurden.

 

Lübbecke, 25. April 2005

Bild 1: Bau der Evangelischen Volksschule an der Bohlenstraße im Sommer 1929. Im Bildhintergrund ist die St.-Andreas-Kirche zu erkennen. Bild 2: Blick vom Kirchturm der St.-Andeas-Kirche auf die Volksschule am Markt, das Alte Rathaus und die katholische Kirche, 1965.

Autor: Stadtarchiv Lübbecke 

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