Stadt Lübbecke

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Stadtarchiv Pr. Oldendorf vor Umzug nach Lübbecke

Bürgermeister beider Städte unterzeichnen öffentlich-rechtliche Vereinbarung

Pr. Oldendorf/Lübbecke. Das Stadtarchiv Lübbecke wird in Kürze neben seinen eigenen und den Beständen der Gemeinde Stemwede auch das archivarische Vermächtnis der Stadt Preußisch Oldendorf beherbergen. Das ist die Essenz einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung nach dem Gesetz über kommunale Gemeinschaftsarbeit, die die Bürgermeister Marko Steiner und Frank Haberbosch jetzt unterzeichnet haben. Sie wird mit der erwarteten Genehmigung und Bekanntmachung durch die Aufsichtsbehörde wirksam werden und ab dem 1. Januar 2022 ein neues Kapitel der Zusammenarbeit der beiden Städte aufschlagen.

Mit Beginn des kommenden Jahres sollen die Preußisch Oldendorfer Archivbestände ihr neues Zuhause am Wiehenweg in unmittelbarer Nachbarschaft der Lübbecker Stadtschule finden. Bis dahin gibt es für alle Beteiligten noch eine Menge zu tun. Rund 330 laufende Meter Archivalien, die aktuell noch im historischen Bürgerhaus am Oldendorfer Kirchplatz sowie in einem Außenmagazin an der Spiegelstraße untergebracht sind, müssen den Umzug antreten. Weil die nötigen Vorbereitungsarbeiten im laufenden Betrieb nicht zu gewährleisten wären, muss das Stadtarchiv ab Montag, 20. Dezember, vorläufig für den Publikumsverkehr schließen.

Bereits seit 2011 nimmt die Stadt Lübbecke die Archivaufgaben für die Gemeinde Stemwede wahr. Diese Zusammenarbeit hat sich als für beide Seiten überaus vorteilhaft herausgestellt, und das gemeinsame Archiv hat sich einen hervorragenden Ruf erarbeitet, wie auch das Archivamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) und der Kreisheimatpfleger bestätigen. Schon in den Folgejahren hatte es Gespräche mit weiteren Nachbarkommunen über eine mögliche Zusammenarbeit gegeben, die aber zunächst ohne Ergebnis blieben.

Neue Bewegung kam Anfang des Jahres in die Sache, als die Preußisch Oldendorfer Verwaltung erneut Interesse bekundete. Hintergrund ist, dass die fachlichen und räumlichen Anforderungen mit der Novelle des Archivgesetzes von 2014 so gestiegen sind, dass sie mit den vorhandenen räumlichen Kapazitäten und durch ehrenamtliche Kräfte kaum noch zu bewältigen waren. Vor allem mit der digitalen Langzeitarchivierung stehen kommunale Archive vor einer neuen Herausforderung, die nur mit fachlich qualifiziertem Personal und guter technischer Ausstattung zu leisten ist. Zudem eröffnet die gemeinsame Aufgabenerledigung erhebliche Synergieeffekte und Einsparpotenziale und ist nicht zuletzt aufgrund der vielfältigen historischen Beziehungen und Gemeinsamkeiten der benachbarten Städte auch archivarisch interessant, wie Christel Droste betont. „Für historisch Interessierte wie für die drei Kommunen selbst ergeben sich viele Vorteile durch den Zusammenschluss“, ist sich die Stadtarchivarin sicher.

Nachdem Lübbecke seine grundsätzliche Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit erklärte, beschloss der Rat der Stadt Preußisch Oldendorf im Mai, die Archivaufgaben zum nächstmöglichen Termin auf das Stadtarchiv Lübbecke zu übertragen. Mit Beschluss des Lübbecker Rats vom 23. September schließlich wurde endgültig der Weg frei, eine vertragliche Vereinbarung abzuschließen und die erforderlichen personellen Ressourcen bereitzustellen.

Räumlich bestehen am Wiehenweg ausreichende Kapazitäten, um die zusätzlichen Archivalien aufzunehmen. Sie werden künftig rund zehn Prozent des Gesamtbestandes ausmachen, der durch die Zusammenlegung auf etwa 3.380 laufende Meter anwächst. Davon entfallen rund 550 Meter auf die Gemeinde Stemwede. Für die digitale Langzeitarchivierung und die Betreuung des Archivgutes wird eine weitere Fachkraft für Medien- und Informationsdienste eingestellt. Die Kosten werden verursachungsgerecht zwischen den Vertragspartnern aufgeteilt.

Das Archivteam, das tatkräftig von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterstützt wird, freut sich auf die Zusammenarbeit und die künftigen Nutzerinnen und Nutzer der Bestände. Historisches Erbe sicher zu verwahren, sei eine wichtige Aufgabe, aber eben nicht die einzige, betont die Stadtarchivarin. „Wir wollen diese Schätze zugänglich machen und die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte fördern“, so Christel Droste.